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zentralafrika aktuell
09 | 2026

Liebe Zentralafrika-Interessierte und Freund:innen des ÖNZ,

in der Septemberausgabe unseres Newsletters widmen wir uns im Schwerpunkt dem illegalen Coltanhandel, insbesondere der Rolle Ruandas beim Export von geschmuggeltem Coltan aus dem Osten der DR Kongo. Mit der Einnahme von Rubaya im April 2024 hat die von Ruanda unterstützte Rebellengruppe AFC/M23 eine der bedeutendsten Coltanminen der Region unter ihre Kontrolle gebracht. Seither ist ein überdurchschnittlich starker Anstieg der ruandischen Coltanexporte zu verzeichnen. Wie der Schmuggel über Ruanda funktioniert und wie Coltan aus Konfliktgebieten seinen Weg in internationale Lieferketten findet, lesen Sie in unserem Schwerpunktthema.

Im Osten der DR Kongo floriert jedoch nicht nur der Handel mit Mineralien wie Coltan. Auch der illegale Handel mit Kakao nimmt zu und geht mit fortschreitender Entwaldung einher. Im M23-Konflikt haben sich die kongolesische Regierung und die AFC/M23 derweil in Doha auf eine Abfolge von Verhandlungsschritten und einen Zeitplan verständigt. Parallel dazu hat Präsident Félix Tshisekedi das Format des angekündigten nationalen Dialogs festgelegt, während Proteste der Opposition gegen die geplante Verfassungsänderung die politischen Spannungen im Land weiter verschärfen. Eine weitere Herausforderung stellt die anhaltende Ebola-Epidemie dar: Mehr als 3.500 Menschen sind inzwischen an der Krankheit gestorben, und die Fallzahlen steigen in immer mehr Provinzen.

Die Spannungen zwischen Ruanda und Burundi halten unterdessen an: so kam es an der Grenze zwischen den beiden Ländern innerhalb weniger Tage zu zwei Zwischenfällen. Zwischen Ruanda und Belgien wiederum zeichnet sich auf diplomatischer Ebene eine Annäherung ab: Beide Länder haben die Wiederaufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen angekündigt, die seit März 2025 unterbrochen waren. In Burundi bleibt die Lage der kongolesischen Geflüchteten weiterhin angespannt. Ein aktueller Bericht der Menschenrechtsorganisation ITEKA zieht zudem eine kritische Bilanz der Menschenrechtslage während der sechsjährigen Amtszeit von Präsident Évariste Ndayishimiye.

Schließlich möchten wir Sie auf zwei Termine des ÖNZ aufmerksam machen: Wenn Sie mehr über die Rolle des Kleinbergbaus in den Konflikten im Osten der DR Kongo erfahren möchten, laden wir Sie herzlich zu unserer Veranstaltung „Konfliktrohstoffe und globale Verantwortung – Coltanabbau im Osten der DR Kongo“ am 5. Oktober um 18 Uhr im Kino Central in Berlin ein. Gemeinsam mit dem Madini-Projekt zeigen wir im Rahmen der Alternativen Rohstoffwoche den Dokumentarfilm Of Mud and Blood und diskutieren im Anschluss mit Vertretern zivilgesellschaftlicher Organisationen aus der DR Kongo über die aktuelle Konfliktdynamik in der Region, verantwortungsvolle Mineralienbeschaffung und internationale Sorgfaltspflichten entlang globaler Lieferketten.

Außerdem möchten wir Sie bitten, sich bereits jetzt den 2. Dezember vorzumerken: An diesem Tag wird erstmals seit 2021 wieder der Friedenspreis des ÖNZ verliehen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und freuen uns darauf, Sie bei unseren Veranstaltungen begrüßen zu dürfen.

Viele Grüße aus der ÖNZ-Geschäftsstelle

Ciaran Wrons-Passmann, Ronja Fink und Gabriel Bertrand

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Der Newsletter im Überblick
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DR Kongo
Schwerpunktthema 9/2026:

Ruandas Rolle im illegalen Handel mit Coltan

Im Dezember 2024 reichten Anwält:innen im Auftrag der kongolesischen Regierung in Frankreich und Belgien Strafanzeige gegen Tochtergesellschaften des Technologiekonzerns Apple ein. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, in seinen Produkten Mineralien aus Konfliktgebieten der DR Kongo zu verwenden, die über internationale Lieferketten „gewaschen“ worden seien. Zu den für die Elektronik-, Automobil- und Luftfahrtindustrie wichtigen Rohstoffen, die in der DR Kongo abgebaut werden, gehört unter anderem das Erz Coltan. Es wird vor allem für die Herstellung von Smartphones, aber auch in der Rüstungsindustrie benötigt. Seit 2024 kontrolliert die von Ruanda unterstützte Rebellengruppe AFC/M23 mit Rubaya eine der bedeutendsten Coltanminen im Osten der DR Kongo. Schätzungen zufolge stammen zwischen 15 und 30 Prozent der weltweiten Coltanproduktion aus Rubaya.

Spätestens seit einem Bericht der UN-Expertengruppe von 2024, wonach die AFC/M23 durch die Kontrolle der Minen von Rubaya monatlich mehr als 800.000 US-Dollar einnimmt, ist Ruandas Rolle als Transitland für Coltan verstärkt in den Fokus geraten. Einem jüngst veröffentlichten Bericht von Global Witness zufolge wird das Mineral nach der Förderung in Rubaya in ruandische Lieferketten integriert und anschließend exportiert. Darauf deuten die seit der Übernahme des Gebiets durch die AFC/M23 stark gestiegenen Coltanexporte Ruandas hin, die sich nicht durch die heimische Fördermenge erklären lassen. Zwar wurden Mineralien aus der DR Kongo bereits vor den Gebietsgewinnen der AFC/M23 in Nord- und Südkivu über benachbarte Staaten exportiert, Ruandas Coltanexporte sind jedoch in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich stark angestiegen. Seit 2023 ist das Land der zweitgrößte Lieferant von Coltan für den chinesischen Markt und hat seine Exporte nach China seit 2024 nochmals verdoppelt.

Laut dem Bericht wird das in Rubaya abgebaute Coltan von der AFC/M23 und ruandischen Behörden besteuert und anschließend ohne wirksame Kontrollen nach Ruanda gebracht. Dort gelangt es über Exportunternehmen und Zwischenhändler in internationale Lieferketten. Mindestens fünf der sieben wichtigsten ruandischen Coltanexporteure sollen Mineralien aus den von der AFC/M23 kontrollierten Gebieten exportiert haben. Über Handelsunternehmen und den Hafen von Daressalam wird das Coltan anschließend an Schmelzen in China, Thailand und Kasachstan geliefert.

Innerhalb der Lieferkette wird das Rückverfolgbarkeitssystem ITSCI, auf das sich viele internationale Unternehmen zur Sicherstellung konfliktfreier Lieferketten verlassen, dazu genutzt, die Herkunft eines Teils des geschmuggelten Coltans zu verschleiern. Mithilfe sogenannter „Tags“ soll die Herkunft von Mineralien aus konfliktfreien Quellen nachgewiesen werden. Allerdings werden diese Kennzeichnungen teilweise auch auf geschmuggeltes Coltan angebracht, sodass es als konfliktfrei exportiert werden kann. Zudem werden von ITSCI suspendierte Unternehmen durch neue Firmen ersetzt oder schließen sich alternativen Rückverfolgbarkeitssystemen an, um bestehende Kontrollen zu umgehen. Auch die Auditverfahren für Schmelzen sind häufig nicht in der Lage, Konfliktbezüge innerhalb der Lieferketten aufzudecken. Dadurch besteht das Risiko, dass geschmuggeltes Coltan trotz geltender Sorgfaltspflichtmechanismen in internationale Lieferketten gelangt und letztlich in Produkten globaler Technologieunternehmen verarbeitet wird. Die juristischen Auseinandersetzungen zwischen der kongolesischen Regierung und Apple dauern derweil an: Während das Verfahren in Frankreich eingestellt wurde, laufen in Belgien weiterhin strafrechtliche Ermittlungen.

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Entwicklungen im September 2026
Ruanda: Diplomatische Beziehungen mit Belgien wiederhergestellt
28.09.2026. Belgien und Ruanda haben die Wiederherstellung ihrer diplomatischen Beziehungen angekündigt. Ruanda hatte diese im März 2025 aufgrund von Differenzen zum Konflikt im Osten der DR Kongo abgebrochen. 
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DR Kongo: Impfkampagne gegen Ebola beginnt – Zahl der Todesopfer steigt 
24.09.2026. In der DR Kongo hat eine Impfkampagne gegen die Bundibugyo-Variante begonnen. 50.000 Impfdosen sind für Gesundheits- und Frontpersonal vorgesehen. Weitere 20.000 Dosen werden im Rahmen einer klinischen Studie eingesetzt.
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DR Kongo: Zusammenstöße bei Demonstrationen gegen Verfassungsänderung 
18.09.2026. Bei Demonstrationen in Kinshasa kam es zu Auseinandersetzungen zwischen oppositionellen und regierungsnahen Gruppen. Die Proteste richteten sich gegen eine mögliche Änderung der Verfassung.
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Burundi/Ruanda: Schüsse bei zwei Grenzzwischenfällen innerhalb von fünf Tagen
10.09.2026. In den vergangenen Tagen kam es an der Grenze zwischen Burundi und Ruanda zu zwei Vorfällen, bei denen Schüsse fielen. Zugleich berichten Anwohner:innen von einer verstärkten Präsenz von Sicherheitskräften auf beiden Seiten der Grenze.
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DR Kongo: Tshisekedi kündigt an, kongolesische Botschaft nach Jerusalem zu verlegen
09.09.2026. Felix Tshisekedi hat während einer Reise nach Israel erneut seine Absicht geäußert, den Standort der Botschaft der DR Kongo in Israel von Tel-Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Diese Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Ländern, unter anderem im Bereich der Sicherheit.
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DR Kongo: Kakaoboom fördert Schmuggel und Abholzung im Osten
02.09.2026. Der Kakaoboom im Osten der DR Kongo bringt vielen Bäuern dringend benötigte Einnahmen, hat aber auch Schattenseiten. In den Provinzen Nord-Kivu und Ituri nehmen Schmuggel, Landkonflikte und die Abholzung von Wäldern zu, während ein großer Teil des Kakaos illegal über Uganda in internationale Lieferketten gelangt.
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DR Kongo: Präsident Tshisekedi legt das Format eines dreimonatigen nationalen Dialogs fest
31.08.2026. Der Präsident der DR Kongo hat offiziell den Prozess eines „Nationalen Dialogs für Frieden, Kohäsion und die Neugründung des Staates“ gestartet. Er beginnt in allen 26 Provinzen, bevor er in landesweiten Beratungen in Kinshasa mündet, und soll innerhalb von drei Monaten abgeschlossen sein. Neben der Regierung und Opposition sollen die Zivilgesellschaft, Religionsgemeinschaften und zahlreiche gesellschaftliche Gruppen einbezogen werden – bewaffnete Akteure hingegen bleiben ausgeschlossen.
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Burundi: Verschlechterung der Lebensbedingungen kongolesischer Geflüchteter
26.08.2026. Hunger, fehlende Unterkünfte, äußerst prekäre Hygienebedingungen und nächtliche Kälte prägen den Alltag von mehr als 50 000 kongolesischen Geflüchteten im Camp Busuma. Die Lage hat sich so stark zugespitzt, dass viele nur noch eines fordern: endlich nach Hause zurückkehren zu dürfen.
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DR Kongo: Gerät die Ebola‑Epidemie außer Kontrolle?  
25.08.2026. Drei Monate nach Ausbruch der Epidemie gelingt es der DR Kongo weiterhin kaum, Ebola einzudämmen. Der Virus hat bereits 2.500 Todesopfer bei über 5.200 Infektionen gefordert. Die schwer erkennbare Bundibugyo‑Variante zwingt die Regierung dazu, ihre Strategie neu auszurichten.
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DR Kongo: Regierung und AFC/M23 unterzeichnen in Bern Fahrplan für Friedensgespräche
25.08.2026. Nach Gesprächen in der Schweiz haben sich die kongolesische Regierung und die AFC/M23 laut einer gemeinsamen Erklärung auf eine Roadmap für Friedensverhandlungen geeinigt. Allerdings waren nur zwei der acht Punkte des Dokuments Gegenstand der Gespräche.
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Studien, Analysen und Stellungnahmen
28.09.2026

Interview zu Return Hubs in Ruanda

Die Bundesregierung hat den Willen geäußert, außerhalb der EU sogenannte „Return-Hubs“ zu etablieren. Als wahrscheinlichster Standort gilt Ruanda. ÖNZ-Geschäftsführer Ciaran Wrons-Passmann erläutert damit verbundene Risiken in einem Interview. 
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25.09.2026

ITEKA Bericht zieht Bilanz zur Menschenrechtslage in Burundi unter Präsident Ndayishimiye 

Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation ITEKA liefert eine Zusammenfassung der Menschenrechtslage während der sechsjährigen Amtszeit von Präsident Évariste Ndayishimiye. Er verweist auf eine relative politische Stabilisierung, aber auch auf Einschränkungen zivilgesellschaftlicher und politischer Freiheiten. 
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23.09.2026

Amnesty International Bericht: Menschenrechtsverletzungen durch die M23 im Kleinbergbau im Osten der DR Kongo

Ein Bericht von Amnesty International dokumentiert Menschenrechtsverletzungen der M23 an zwei Kleinbergbaustandorten im Osten der DR Kongo. Der Bericht thematisiert zudem die Rolle Ruandas bei der Unterstützung der M23 und als Exporthub geschmuggelter Mineralien. 
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Meldungen
Veranstaltung:

Filmvorführung & Podiumsdiskussion: Konfliktrohstoffe und globale Verantwortung – Coltanabbau im Osten der DR Kongo am 05. Oktober 2026


Im Rahmen der Alternativen Rohstoffwoche laden das ÖNZ und das Madini-Projekt zu einer Filmvorführung mit anschließender Podiumsdiskussion ein. Der Film „Of Mud and Blood“ thematisiert den Abbau des Konfliktrohstoffs Coltan im Osten der DR Kongo. Anschließend erörtern drei eingeladene Expert:innen Fragen internationaler Sorgfaltspflichten sowie der globalen Verantwortung entlang der Rohstofflieferketten.
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Veranstaltung:

Save the Date – ÖNZ-Friedenspreisverleihung am 2. Dezember 2026

Das Ökumenische Netz Zentralafrika freut sich, nach fünf Jahren wieder den Ökumenischen Friedenspreis zu verleihen. Der Preis geht an die gemeinsame Initiative der katholischen Bischofskonferenz CENCO und der protestantischen Kirche ECC, den „Pacte Social pour la Paix et le Bien-Vivre Ensemble“. Mit dem Preis wird der besondere Einsatz der Kirchen für Frieden und Dialog in der Region der Großen Seen gewürdigt. 

Die beiden Generalsekretäre der CENCO und ECC, Mgr. Donatien Nshole und Révérend Éric Nsenga, werden den Preis stellvertretend entgegennehmen. 

Die Preisverleihung findet am 2. Dezember 2026 abends in den Räumlichkeiten der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin statt. 

Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung folgen in Kürze. 

Wir freuen uns, wenn Sie sich den Termin bereits heute vormerken. 

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zentralafrika aktuell erscheint 1x monatlich.
Die Inhalte des Newsletters geben die Meinung der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion oder der Mitgliedsorganisationen.

Redaktion: Ciaran Wrons-Passmann, Ronja Fink, Gabriel Bertrand
V.i.S.d.P.: Ciaran Wrons-Passmann

Fotos: Philémon Barbier
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